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JIØÍ PELCL (1950)
Designer und Architekt, Rektor der Kunstgewerbe-Hochschule in Prag. Er war Gründermitglied der Gruppe Atika (1987). 1990 gründete er sein eigenes Studio Atelier Pelcl. Seit 1997 ist er Leiter des Ateliers für Architektur und Design an der Prager Kunstgewerbe- -Hochschule. Er entwirft sowohl Bauten und Interieure als auch Möbel und Designbeiwerk.

SCHWANENLIED

INTERVIEW MIT DEM GARANTEN DES KAPITELS JIØÍ PELCL

WAS VERBINDET SIE MIT DEN 1940ER UND 1950ER JAHREN?
Ich spüre eine starke Energie von den Künstlern, Theoretikern, Ingenieuren und Konstrukteuren jener Zeit, insbesondere den fünfziger Jahren, ausgehen. Mit dieser Energie haben sie versucht eine neue, menschlichere Beziehung zu materiellen Dingen und zur Umwelt, in der der Mensch lebt und arbeitet, zu finden und zu definieren. Sie kam mit dem Glauben, dass sich die Menschheit in den Jahren nach dem Krieg für die Idee einer neuen Welt mit Wohlstand für Alle einsetzen wird. Wenn ich heute, mit diesem zeitlichen Abstand, die Gebrauchsgegenstände der Haushalte ansehe, ob nun Möbel, Geschirr, Glas, Keramik oder Küchengeräte, so scheinen sie mir viel mehr mit der damaligen Zeit verbunden zu sein. Ich gewinne den Eindruck, dass Design viel engagierter war, den Menschen verständlicher und möglicherweise gerade deshalb stilprägend. Stilprägender als heutiges Design das voll ist von künstlichen intellektuellen Allüren, die unter der Beobachtung von Medien stehen. Möglicherweise sind meine Eindrücke von den 1950er Jahren von einer gewissen Sentimentalität beeinflusst, von den Erinnerungen an meine Kindheit, an geniale Autos mit Flügeln die mit heulenden Motoren durch meine Bubenträume gerast sind.

WODURCH HABEN IHRER MEINUNG NACH DIE 1940ER UND 1950ER JAHRE DIE ENTWICKLUNG DES TSCHECHISCHEN DESIGNS BEREICHERT?
Es war eine Zeit grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, besonders das Jahr 1948, als die Industrie verstaatlicht wurde. Typisch für diese Zeit war die Suche nach einem ästhetischen Ausdruck des aufkommenden Sozialismus. Für das tschechische Design bedeutete diese Zeit vor allem die Bewusstwerdung der eigenen Fähigkeiten und Grenzen im Entwurfs- und Entwicklungsprozess von Industriegütern und Gebrauchsgegenständen unter sozialistischen Produktionsbedingungen. Mit der Entwicklung und Produktion in den anderen Europäischen Staaten konnte man bis Ende der 1950er Jahre mithalten. Davon zeugt die Vertretung der Tschechoslowakei bei zahlreichen internationalen Ausstellungen, von denen die wichtigste die Weltausstellung Expo 1958 in Brüssel war.

WELCHE EREIGNISSE BEEINFLUSSTEN IHRER MEINUNG DAS TSCHECHISCHE DESIGN AM MEISTEN?
Ein wichtiges Ereignis war 1940, als Vincenc Makovský im Rahmen des 5. Salons der Freien Kunst in Zlín sein Drehbank-Modell „soustruh“ ausstellte. Auch als die Kunstgewerbeschule in Prag 1947 zur Hochschule erhoben wurde. Eine Schlüsselrolle nahmen dann die Machtübernahme durch die Kommunisten und die Verstaatlichung der Industrie im Jahr 1948 ein.

NACH WELCHEN KRITERIEN HABEN SIE DIE EINZELNEN OBJEKTE AUSGEWÄHLT?
Ich habe versucht Produkte auszuwählen, die ich mit dieser Zeit am meisten verbinde. Einen großen Eindruck haben auf mich die Autos und Motorräder gemacht, etwa der sog. Tatraplán (Tatra 600) und später der Tatra 603.

GIBT ES ETWAS AUS JENER ZEIT, DAS SIE ALS TYPISCH TSCHECHISCH BEZEICHNEN WÜRDEN?
Eines der typisch tschechischen Produkte war sicherlich das Motorrad Jawa Pérák.

WÄREN SIE AUF EINER EINSAMEN INSEL UND KÖNNTEN DREI GEGENSTÄNDE AUS JENER ZEIT MITNEHMEN, WELCHE WÄREN DAS?
Auf der Insel würde ich mit dem Tatra 603 von Zdenìk Kováø herumfahren, die Naturschätze würde ich mit der 8mm Kamera von Míra a Míšek aufnehmen und wenn ich Halt mache, würde ich aus dem Mokkaservis Manon von Jaroslav Ježek Kaffee trinken.