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JAN NÌMEÈEK (1963)
Designer und Architekt. 1990 gründete er mit M. Fronìk das Studio Olgoj Chorchoj. 1993 gründeten sie gemeinsam die Gesellschaft Artìl, die sich mit der Produktion von tschechischem Design befasst. Seit 1999 führt er das Atelier Produktdesign an der Prager Kunstgewerbe- Hochschule. Er widmet sich dem Industrie- und Möbeldesign, Entwürfen von Architektur und Interieurs.

FRÜHLINGSEUPHORIE

INTERVIEW MIT DEM GARANTEN DES KAPITELS JAN NÌMEÈEK

WAS VERBINDET SIE MIT DEN 1960ER JAHREN?
Es ist die Zeit meiner Kindheit, ich bin in den 1960er Jahren aufgewachsen. Meine Eltern waren beide Künstler und obwohl es uns damals finanziell nicht gerade gut ging, war unsere Wohnung durchwegs stilecht eingerichtet. Diese Zeit hat mich emotional sehr beeinflusst. Aber ich denke nicht, dass ich in meiner Arbeit die damalige Formensprache verwenden würde. Falls doch, dann nicht bewusst.

WODURCH HABEN IHRER MEINUNG NACH DIE 1960ER JAHRE DIE ENTWICKLUNG DES TSCHECHISCHEN DESIGNS BEREICHERT?
Die 1960er Jahre waren an sich nicht wirklich bahnbrechend. Es war eigentlich eine Zeit, in der es zur praktischen Anwendung von bedeutenden formalen Veränderungen kam, die ihr vorausgegangen waren. Die Nachwirkungen der Brüsseler Erfolge bei der Expo 1958 beeinflussten den damaligen Geschmack. Die Staatsbetriebe und Produktionsgenossenschaften begannen moderne Materialien einzusetzen und legten wahrscheinlich mehr Wert auf Design als heute.

WELCHE EREIGNISSE WAREN IHRER MEINUNG NACH AM PRÄGENDSTEN FÜR TSCHECHISCHES DESIGN?
Ich glaube nicht dass sich viele konkrete Ereignisse oder andere Impulse finden lassen, die tschechisches Design auf grundlegende Weise beeinflusst hätten. Sofern wir nicht von politischen Veränderungen sprechen, welche für die kulturelle Entwicklung immer von entscheidender Bedeutung sind, so ist es lediglich der bereits erwähnte tschechische Erfolg bei der internationalen Ausstellung EXPO 58 in Brüssel.

NACH WELCHEN KRITERIEN HABEN SIE DIE EINZELNEN OBJEKTE AUSGEWÄHLT?
Ich habe versucht Gegenstände zu finden, die das damalige ästhetische Empfinden beeinflussen konnten und allgemein zugänglich waren. Es sollten Ikonen sein, die sich vom Mittelmaß abheben und die man ein Leben lang in seiner inneren Galerie trägt. Es stimmt jedoch, dass die Vielfalt an Produkten damals sehr eingeschränkt war.

GIBT ES ETWAS AUS JENER ZEIT, DAS SIE ALS TYPISCH TSCHECHISCH BEZEICHNEN WÜRDEN?
Typisch tschechisch ist für mich der Polyethylen-Kater von Libuše Niklová, den man wie eine Ziehharmonika zusammenfalten kann. Er ist witzig, ausdrucksstark und im Detail doch etwas schwerfällig. Ich denke das ist für tschechisches Design sehr typisch.

WÄREN SIE AUF EINER EINSAMEN INSEL UND KÖNNTEN DREI GEGENSTÄNDE AUS JENER ZEIT MITNEHMEN, WELCHE WÄREN DAS?
Es wären die drei Kater.