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MICHAL FRONÌK (1966)
Designer und Architekt. 1990 gründete er mit M. Fronìk das Studio Olgoj Chorchoj. 1993 gründeten sie gemeinsam die Gesellschaft Artìl, die sich mit der Produktion von tschechischem Design befasst. Seit 1999 führt er das Atelier Produktdesign an der Prager Kunstgewerbe- Hochschule. Er widmet sich dem Industrie- und Möbeldesign, Entwürfen von Architektur und Interieurs.

LICHT AM ENDE DES TUNNELS

INTERVIEW MIT DEM GARANTEN DES KAPITELS MICHAL FRONÌK

WAS VERBINDET SIE MIT DEN 1970ER UND 1980ER JAHREN?
Ich bin Jahrgang 1966, also begann ich genau in dieser Zeit die materielle Kultur der Plattenbausiedlungen und des schwarzen Tatra 613, der vor dem „allermodernsten“ Kino Kosmos parkte, wahrzunehmen… Höhepunkt des technologischen Fortschritts war damals der Škoda 110R, der schneller „aussah“ als er fuhr… Ich muss aber zugeben, dass ich einen beträchtlichen Mangel an soliden Gebrauchsgegenständen verspürte.

WODURCH HABEN IHRER MEINUNG NACH DIE 1970ER UND 1980ER JAHRE DIE ENTWICKLUNG DES TSCHECHISCHEN DESIGNS BEREICHERT?
Die gesamten 1970er Jahre waren für mich eine Art abgekapselter Seifenblase, in der selten etwas entstand, das im Europäischen Maßstab von Interesse gewesen wäre. Es war eine Zeit in der es ums Überleben ging, eine Zeit der Stagnation – man kann keineswegs von irgendeinem Aufschwung des Designs sprechen. Die Definition dieses Zeitabschnittes ist Mittelmäßigkeit. Es gibt natürlich einige Ausnahmen im Bereich der künstlerischen und industriellen Glasproduktion und auch der Gebrauchsgrafik. Die 1980er Jahre kündigten bereits mögliche Veränderungen an, es entstand zum Beispiel eine Reihe von Künstler- und Designergruppen.

WELCHE EREIGNISSE WAREN IHRER MEINUNG NACH AM PRÄGENDSTEN FÜR DAS TSCHECHISCHE DESIGN?
Ich denke dass die Ausstellung von Milena Lamarová über den Einsatz plastischer Körper bei der Formgebung von Möbeln ähnlich wirken musste wie ein Besuch von Außerirdischen. Die Ausstellung wurde damals vom Kunstgewerbemuseum veranstaltet.

NACH WELCHEN KRITERIEN HABEN SIE DIE EINZELNEN OBJEKTE AUSGEWÄHLT?
Ich habe mich um eine möglichst objektive, qualitative Auswahl von Gegenständen bemüht, die für tschechoslowakische Exportgüter aus der Zeit der Normalisierung repräsentativ sind.

GIBT ES ETWAS AUS JENER ZEIT, DAS SIE ALS TYPISCH TSCHECHISCH BEZEICHNEN WÜRDEN?
Sollte ich etwas wirklich typisch tschechisches aussuchen, dann müsste es wahrscheinlich die Durchschnittlichkeit darstellen, etwa eine Milchpackung.

WÄREN SIE AUF EINER EINSAMEN INSEL UND KÖNNTEN DREI GEGENSTÄNDE AUS JENER ZEIT MITNEHMEN, WELCHE WÄREN DAS?
Ich würde wahrscheinlich rein praktischen Dingen den Vorzug geben. Also: Sportschuhe der Marke Botas, eine Waffe von Èeská Zbrojovka a.s. und eine Zahnbürste mit Zahnpasta der Marke Perlièka.