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DAGMAR KOUDELKOVÁ (1965)
Kunsthistorikerin und Designkuratorin. In den Jahren 1990–2001 war sie in der Mährischen Galerie in Brünn (Brno) tätig. Seit 2002 ist sie Kuratorin der Ausstellungen im Design-Zentrum der Tschechischen Republik. Sie widmet sich besonders der Wohnkultur der Zwischenkriegszeit, der Problematik von gebogenen Möbel und dem Gegenwartsdesign. Sie hat eine Reihe Ausstellungen von tschechischen und ausländischen Designern vorbereitet.

ZWEITER SERVICE

INTERVIEW MIT DER GARANTIN DES KAPITELS DAGMAR KOUDELKOVÁ

WAS VERBINDET SIE MIT DEN 1990ER JAHREN?
Es sind vor allem die Ungezwungenheit, die künstlerische Freiheit und große Meinungsvielfalt. Die Zeit nach der Wende brachte eine radikale Veränderung der bestehenden Strukturen mit sich und eröffnete dadurch gleichzeitig die Möglichkeit zum Experimentieren und Suchen nach neuen Wegen für individuelle Designlösungen.

WODURCH HABEN IHRER MEINUNG NACH DIE 1990ER JAHRE DIE ENTWICKLUNG DES TSCHECHISCHEN DESIGNS BEREICHERT?
Die Abschaffung großer staatlicher oder genossenschaftlicher Betriebe führte unmittelbar zur Gründung von Architektur- und Designstudios die selbstständig arbeiten konnten. Auch das Bildungssystem machte eine grundlegende Veränderung durch, die Schulen engagierten bedeutende Persönlichkeiten aus dem Ausland. Die 1990er Jahre brachten eine junge Generation von Künstlern, die gleichzeitig über fundierte Managementfähigkeiten verfügten und eine klare Vorstellung von der Präsentation ihrer Arbeit hatten. Eine wichtige Rolle spielte die eigene Öffnung gegenüber den Erfahrungen aus dem Ausland und auch die Möglichkeit, ausländische Messen und Ausstellungen zu besuchen.

WELCHE EREIGNISSE WAREN IHRER MEINUNG NACH AM PRÄGENDSTEN FÜR DAS TSCHECHISCHE DESIGN?
Designer konnten mit neuen Materialien (z.b. Corian, Perspex, Kohlefasern) und Technologien (z.b. Laser) arbeiten. Nicht zu vernachlässigen ist auch das Wirken von Boøek Šípek an der Prager Akademie für Kunst, Architektur und Design, sowie die Ausstellung von Olgoj Chorchoj bei der Mailänder Messe.

NACH WELCHEN KRITERIEN HABEN SIE DIE EINZELNEN OBJEKTE AUSGEWÄHLT?
Nach der Qualitäten des Designentwurfs, der Originalität und anhand technologischer Parameter.

GIBT ES ETWAS AUS JENER ZEIT, DAS SIE ALS TYPISCH TSCHECHISCH BEZEICHNEN WÜRDEN?
Die untraditionelle Herangehensweise an gewöhnliche Aufgabenstellungen – mit ironischem Übermut und Humor.

WÄREN SIE AUF EINER EINSAMEN INSEL UND KÖNNTEN DREI GEGENSTÄNDE AUS JENER ZEIT MITNEHMEN, WELCHE WÄREN DAS?
Bestimmt würde ich den Löffel Spermie Anežka von Jiøí Pelcl mitnehmen und dazu ein Küchending von der Firma Tescoma, damit ich etwas zum umrühren habe.